Mindener Tageblatt vom 27.7.98

Hintergrund: Eine Mühle auf der Mulde

Auch die Betreiber der Schiffmühle auf der Mulde im sächsischen Höfgen, einem Ortsteil der südlich Leipzig gelegenen Stadt Grimma, müssen ihre Prospekte umschreiben. Ihre seit 1993 betriebene Schiffmühle ist nicht mehr die einzig funktionsfähige in Deutschland. Doch einzigartig bleibt sie ihrer Funktion. Sie treibt mit der aus dem zwischen 1,40 und 2,40 Meter schnell fließenden Muldenwasser entnommenen Kraft  eine dreistufige Kolbenpumpe an, die pro Stunde 4000 Liter Wasser 50 Meter hoch und 400 Meter entfernt  in einen als Wasserspeicher genutzten Aussichtsturm-Keller transportiert. Hieraus werden Springbrunnen im sogenannten Jutta-Park gespeist.
Die Schiffmühle im Fluß besteht aus zwei eisernen Pontons mit hölzernen Aufbauten, die mit Traversen und einem Wellrad verbunden sind. Das Hausschiff, das die technische Einrichtung des Schöpf- und Hebewerks beherbergt, ist zehn Meter lang und 6,50 Meter breit. Als Winterhafen wurde ein alter Muldenarm  in der Nähe ausgebaggert, wohin sich das Schiff aus eigener Kraft, nämlich mittels generatorbetriebener Elektroseilwinden ziehen kann.
Die Vorläufer der Höfner Schiffmühle arbeitete bis 1871 an dieser Stelle. Ein Hochwasser, dann ist die Mulde bsi zu 8 Meter pro Sekunde schnell, ließ ein Lager heißlaufen, das die Mühle in Brand setzte. Auch bei der jetzigen Mühle war die Feuerwehr aktiv. 1995 mußte sie die bei Hochwasser abgesoffene Mühle wieder aufrichten.
Die jetzige Mühle, seit 1991 physikalisches Modellprojekt für Energieversorgung aus alternativen Kraftquellen in den Entwicklungsländern, ist eine Forschungs-  und Bildungseinrichtung. Sie gehört der Denkmalschmiede GmbH, dem örtlichen Kulturträger. Tel.: 034 37 / 98 77 -0
 

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upgedatet am 2.9.98