Aktuelles aus Minden  - Mindener Tageblatt Juni 1998
 

Vom Tischler zum Schiffmüller

Holger Kleemeier wartet Schiffmühle auf der Weser und betreut Besucher / Arbeitswoche hat 45 Stunden

Von Thomas Kammann

Minden (kam). Vom Tischler zum Schiffmüller ist es kein weiter Weg, wenn man im Friller Mühlenbauhof arbeitet. Holger Kleemeier ist einer von zwei Schiffmüllern, die für die Wartung der Schiffmühle und für die Betreuung der Besucher zuständig sind.

Für diesen Job ist der Petershäger geradezu prädestiniert, denn zusammen mit seinem Schiffmüller-Kollegen Friedhelm Zenker, seines Zeichens Schlosser, und drei weiteren Mitarbeitern des Mühlenbauhofes hat er die Schiffmühle gebaut, die jetzt an der Weserpromenade vor Anker liegt. Insgesamt waren ein Zimmermann, zwei Tischler und ein Schlosser an dem Projekt beteiligt.

Wechselnder Arbeitsplatz

Holger Kleemeier arbeitet seit dem 1. Juni in wöchentlichem Wechsel im Bauhof und an seinem neuen Arbeitsplatz, der Schiffmühle. Dort hat eine Woche in der von April bis Oktober laufenden Saison 45 Arbeitsstunden. Dienstags bis sonntags von 11 bis 13 Uhr und nachmittags von 14 bis 17.30 Uhr gilt es, die Besucher durch die Mühle zu führen, die nach historischem Vorbild aus dem 18. Jahrhundert gebaut wurde.

In der Woche ist es relativ ruhig, erklärt Holger Kleemeier. Neben einzelnen Besuchern kommen meistens Schulklassen, die sich vorher anmelden. Freitags nachmittags gehts dann meistens los. Dann kommen die Wochenendbesucher auch in größeren Gruppen.

Manchmal Besucherstau

Dabei kann es dann schon mal zum Stau kommen. Erst neulich hatten wir hier neun Gruppen kurz hintereinander. Da mußten schon einmal Gruppen warten, zumal nicht alle pünktlich zu vereinbarten Zeit da waren.

Doch auch solche Streß-Situationen bewältigen die beiden Schiffmüller mit der erworbenen Routine. Sie müssen die Gruppen nicht nur führen, sondern auch das Eintrittsgeld kassieren und die Fragen der Besucher beantworten. Hier bewährt sich, daß sie Mindens neue Touristen-Attraktion entscheidend mitgebaut haben.

Ein solcher Rundgang durch die Schiffmühle dauert in der Regel 15 Minuten. Dabei werden die Besucher über die Funktionsweise der Mühle genauestens informiert: Die vom riesigen Mühlrad bewegte Wasserwelle treibt das große Kammrad im Innern der Schiffmühle an. Beim Mahlvorgang greift dann das Stockrad in das Kammrad ein, das dann wiederum mit einer Welle und einem kleineren Kammrad den Mühlstein in Bewegung setzt.

Den Mahlvorgang kann Holger Kleemeier aus Zeitgründen nicht jedem einzelnen Besucher, sondern nur größeren Besuchergruppen präsentieren. Dazu muß ein Elektromotor dazugeschaltet werden, weil die heutige normale Fließgeschwindigkeit der Weser für den Antrieb des Mahlwerkes nicht ausreicht, verrät der Schiffmüller.

Aus dem Schuh in die Kiste

Bei diesem also nicht ganz geschichtstreuen Mahlvorgang schüttet er die Getreidekörner in einen Trichter im oberen Stockwerk der Schiffmühle. Von dort fällt das Korn dann in einen Rüttelschuh, der es zum Mahlstein führt, der wiederum über einen fest verankerten Bodenstein läuft und das Korn zu Mehl mahlt. Das fällt dann durch das Mehlrohr nach außen in die Mehlkiste.

Damit der Mahlvorgang immer problemlos vonstatten gehen kann, muß der Schiffmüller Räder und Wellen von Wasserrad und Mahlwerk natürlich entsprechend warten, das heißt vor allem ausreichend schmieren und fetten.

Die Arbeit als Schiffmüller gefällt Holger Kleemeier außerordentlich gut. Er liebt die Abwechselung zu seiner Arbeit als Tischler im Mühlenbauhof und den Kontakt zu den Besuchern. Deshalb stören ihn auch nicht die Überstunden, die er als Schiffmüller leisten muß.
 

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