Mühlentagebuch 1.11.98
Eigentlich gehörte der Sonntag schon gar nicht mehr auf den Dienstplan.
Denn die Saison geht von 1.3. bis zum 31.10. Doch diesmal ist der 1.11.
ein Sonntag, also wird noch jemand für den letzten Tag im Mühlenjahr
gesucht.
Ich springe ein, wenn auch nur Müllerlehrling und ohne Erlaubnis
die Mühle laufen zu lassen. Aber den letzten Tag muß ich mir
noch gönnen.
Und wir haben schönen Besuch. Im Radio gab es, dank unseren Vereinsvorsitzenden noch einen Veranstaltungshinweis. Einige unserer Besucher hörten das und änderten ihr Sonntagsprogramm. Ein älterer Mann kommt und läßt sich die Mühle von oben bis untern zeigen. Seine Augen glänzen, ich spüre richtig, daß es sein Jugendtraum ist. Und schon sind wir im Schnack....
Eine nette Frau kommt noch vorbei. Sie hatte vorher angerufen, denn sie wollte etwas Besonderes: 6 Kilo Dinkelmehl, auf der Windmühle gemahlen, braucht sie als Wintervorrat .Weihnachten steht ja bald vor der Tür. Und schon erzählt sie die Geschichte von den Mühlen auf Kreta, die sie gesehen hatte.
Kinder tobten auch noch durch die Mühle, endlich mal keine langweiligen Sonntagsspaziergänge.
Mir tut es richtig leid, als ich dann die Mühle endgültig
zuschließen muß. Das letzte mal in diesem Jahr.
Nächste Woche müssen wir sie winterfest machen: Alles gegen
den Frost sichern, die Sturmbretter raus, noch einmal abschmieren, die
Bremse mit zusätzlichem Gewicht beschweren.
Dann ist die Tür zu, der Schlüssel abgegeben. Ein bißchen
naßkalt war es ja. - Ich freue mich auf den warmen Tee.