Mühlentagebuch vom 13.9.1998
Mühlenfest an der Bockmühle in Hohenroda.
Wir, der Britzer Müller Verein fahren mit ein paar Broten und Infomaterialien hin. Wollen ein wenig verkaufen und präsent sein, aber sind auch neugierig, wie weit die Mühle denn nun ist.
Ein Blick über den Bahndamm, als wir uns dem Dorf nähern: Das Dach ist dicht, mit Pappe gedeckt, aber Flügel/Ruten hat die Mühle noch nicht. Wie Klaus-Martin Schulz uns erzählt, zieht sich die Finanzierung in die Länge. Und deswegen sind sie zum Mühlenfest noch nicht fertig geworden.
Aber ein zweiter Blick vom Festplatz aus zeigt, daß sich viele
Kleinigkeiten getan haben: Die Mühle ist fertig gestrichen, Fenster
sind eingebaut. Die Leiter ist dran, der Steert fehlt noch.
Und als wir dann schließlich hineingehen, mit Hilfe der Leiter
den Bock erklimmen, sehen wir sie auch innen, die vielen Kleinigkeiten:
Ein Schmied war zugange und hat wunderschöne Türbeschläge
angebracht, hat die Ecken und Balken mit Bändern verstärkt. Tadellose
Arbeit genau wie die des Tischlers: Die Türen am hinteren Teil des
Kastens sitzen wunderschön, an den Riegeln die Türen zu schließen
ist dank guter Tischlerarbeit ein Gedicht.
Für uns, die wir von einer großen Galerieholländermühle kommen, ist es immer verwunderlich, wie wenig Platz doch in solch einer Bockwindmühle ist. Das Obenkammrad bedingt das steile, hohe Dach. Doch im Grunde genommen sind es nur 2 Böden (Stockwerke), die jetzt ohne weitere Innereien noch sehr leer aussehen. Wenn erst einmal die Maschinen alle eingebaut sind, dann geht es viel enger zu, als in unser großen Holländermühle. Zum Vergleich: Wir haben 6 Böden bei rund doppelter Grundfläche.
Interessant für uns, daß die Welle vom Sackaufzug höher
liegen soll als die Flügelwelle.
Klaus Kirchner, der als Mühlenbaumeister den Bau leitet, hat mit
seinen Leuten die wichtigen Balken imprägniert: Die Lagerbalken für
die Flügelwelle, die Flügelwelle selber, den Mehlbalken. Alles
andere in der Mühle ist vor Ort mit Holzschutz behandelt worden. Auch
die Fenster sind damit gestrichen und nicht in einer Extrafarbe.
Draußen geht das Fest seinen Gang. Uns Großstädter überkommt das Gefühl, daß es irgendwie eine schöne Sache ist, mit vielen Leuten aus dem Dorf, seien es die ABM-Kräfte, sei es der Tischler, sei es der Schmied, an solch einer Mühle zu bauen. Das bindet, schafft Gemeinschaft.
Also, alles Gute! "Glück zu!"
Nachtrag:
Ende September, der Herbst fängt an, ist doch noch ein wenig
Geld bewilligt worden. So kann jetzt noch das Dach richtig gedeckt werden,
der Winter kann dann kommen.