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    Mühlentagebuch vom 9. Oktober 1999

    Demontage in der Wassermühle Nichel - oder:  Der Sprung aus der Virtualität in die Realität.

    Die alte Wassermühle in Nichel, baufällig stand zum Verkauf. Der Berlin-Brandenburger Mühlenverein hatte schon fotografiert und dokumentiert. Eigentlich eine schöne Mühle, in der Zeit um den Krieg noch einmal neu eingerichtet, doch der Müller ist nicht zurückgekommen. Und in der Zeit danach war die Konkurrenz an anderen Mühlen zu groß, zum mahlen ging man lieber nach Treuenbriezen oder ....(?).Lediglich die LPG schrotete ab und zu hier.
    Die neuen Käufer woll aus der Wassermühle ein Restaurant machen. Als Reminiszenz an die Mühle sollen nur noch einzelnen Dekostücke überleben. Der Rest: Schrott. Bis zum Stichtag. Mögliche Rettungsaktionen bitte vorher! 
    Mittags kam ich an. Auf der Wiese das alte Wasserrad, die Pumpen gegen das Wasser liefen schon seit ein paar Tagen, im Keller stand jedoch noch der  matschigem Grund. Vor ein paar Tagen stand hier noch kniehoch das Wasser. 
    Florian im Keller, Stefan darüber auf einer Planke balancierend, beide mit schweren Werkzeug hantierend: Es gab sie also doch ! Zweifel hatte ich ja schon, bisher waren sie mir nur im Internet begegnet....

    Sie waren mit einer teilbaren Antriebsscheibe beschäftigt, die Schrauben gezogen, sie mußte von der Welle. 
    Die Böden der Mühle waren morsch, Umbauhelfer hatten gestern erst die Treppe zum Oberstock ihrer Statik beraubt. So turnten wir an den eingezogenen Stützstreben hinauf und hinunter. Tritte fanden wir auf den Querbalken.
    Oben auf dem obersten Boden stand noch ein Blaumehlzylinder, eine Schälmaschine. Der Plansichter war schon zur Hälfte demontiert. Eine Auflöser (zum Zerschlagen der Mehl (Gries?-)plättchen nach dem Mahlvorgang) bekam ich das erste zu sehen, Elevatoren waren durch die ganze Mühle verteilt. Der Mischer fehlte bereits, durch das große Loch im Boden konnten wir die Transportschnecken, die wir mitnehmen wollten, wunderbar abseilen! Zwei brauchbare fanden wir: Eine war schon ohne Bezug zu den Einbauten, die andere (besser, da in Kugellagern gelagert) brachen wir aus dem Griesablauf des  Plansichters heraus - schade um das wunderbar bearbeitete Holz im Ablauf! 
    In der Mühle gab es auch ein Aufzug, gehalten und verkeilt jetzt auf dem 2. Boden, aber die Gurte waren noch dran. Die Fliehkraftregler zur Notbremse lag in der Scheune nebenan. 
    Hier hatte sich schon einiges an  Mühlenteile eingefunden hatten. Der auseinandergenommene Walzenstuhl, Steine, Wellen, Absackstutzen....

    Nachmittags zogen wir ab. Drei Autos, jedes mit eroberten Teilen bepackt. Ein geglückter Raubzug, oder besser: Die Rettung vorm Verschrotten.
     
     



    upgedatet am 10.10.99
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